Bildmotiv für das Cover eines Romans über Glaube, Aberglaube und einen Todesfall im Dorf.
Autor und Verlag wollten ein mystisches, religiös anmutendes Motiv für einen Roman, der in einem kleinen Dorf spielt. Die Vorgabe war bewusst offen gehalten. Meine Aufgabe war es, das konkrete Bild zu finden, das diese Stimmung trifft.
Aus dem Text ging für mich hervor: Hier geht es nicht um Institutionen, sondern um die eigene, intime Frömmigkeit. Um Menschen, die ihren Glauben ganz persönlich auslegen, wenn der Tod ins Dorf kommt. Ein makelloses Altarkreuz hätte einen falschen Bildhorizont eröffnet.
„Während zwischen Glaube und Aberglaube nach dem Schuldigen für all das Unheil gesucht wird, schwebt über dem Dorf ein ungewöhnlich großer schwarzer Vogel."
Der Vorschlag: ein Kruzifix aus zwei groben, knorrigen Zweigen, zusammengehalten von Hanfschnur. Kein geschnitztes Devotionalienstück, sondern etwas, das jemand mit eigenen Händen gemacht hat.
Aus den Entwürfen fiel die Wahl auf die Fassung, in der sich die Figur am subtilsten abzeichnet und allein das Holz seinen Teil erzählt.
Grob, knorrig und mit Hanfschnur gebunden. Das Kreuz ist kein Symbol, sondern ein Gegenstand, den jemand aus dem zusammengesetzt hat, was da war.
Man liest den Körper aus der Maserung, er ist nicht ausmodelliert. Ein deutlicher Christus hätte dem Buch Antworten zugeschrieben, die es vielleicht gar nicht enthält.
Kein Kirchenraum, kein Dorf, kein Kontext. Das Cover soll keine Szenarien erzeugen, sondern einen greifbaren Gegenstand in einem leeren Raum, den der Leser selbst füllt.
Typografie, Farbwelt und Satz lagen beim Verlag. Das kräftige Violett und das Gelb stammen nicht von mir. Genau deshalb war es wichtig, ein Motiv zu liefern, das sich einfügt, statt eine fertige Gestaltung mitzubringen.
Das Ergebnis zeigt, warum die Vorarbeit zählt: Das freigestellte Objekt steht frei auf der Fläche und wirft einen weichen Schatten. Es trägt die Gestaltung und unterstützt das Gesamtkonzept.
Aus dem Motiv ist zusätzlich eine kurze Animation entstanden: zwei Hände, die das Kreuz vor weißem Grund aufnehmen. Der Autor hat den Clip für die Social-Media-Bewerbung des Buchs übernommen.
Erstellt mit Kling, auf Basis desselben freigestellten Motivs.
Ein gutes Motiv beantwortet nicht nur das Briefing. Es macht aus dem nächsten Schritt keine Arbeit.
Ein Bild zu erzeugen ist der eine Teil. Es so zu bauen, dass daraus mühelos ein gutes Ganzes wird, der andere. Erst beides zusammen ergibt ein stimmiges Ergebnis.